2006-04-17

Nie mehr 2. Liga...

...nie mehr, nie mehr!

Alle haben sie für uns gespielt und nach 36 Jahren der Alemannia den Wiedereinzug ins Fußball-Oberhaus vorzeitig beschert - wohlverdient!

Herzlichen Glückwunsch zu einer hervorragenden Saison aus Tokio nach Aachen - feiert schön!

Nachtrag: Zur Feier des Tages habe ich nicht Schlips und Anzug sondern das Trikot als Festtagsgewand angelegt und bin darin stolz zur Arbeit marschiert. Soll noch mal einer behaupten, Japaner würden stets einen indifferenten Gesichtsausdruck zeigen - gaaanz viele Fragezeichen! Mittlerweile ist aber unsere Niederlassung über Schwarz-Gelb gut informiert ;-)


2006-04-16

Wochenendeinkäufe

Selbst wenn 2006 Kopenhagen (?!) auf Platz eins ist, den Ruf der weltweit teuersten Stadt hat Tokyo schon lange weg - zu Recht. Ich habe für Euch zum Vergleich mal einen kleinen Einkaufszettel zusammengestellt, und mit dem Kurs 1EUR=140 Yen umgerechnet. Die resultierenden Preise sind für europäische Ohren z.T. recht abenteuerlich.

Aber: Zum einen kann ich eh nicht anders (mal eben schnell nach Holland günstig Kaffee einholen geht nicht) zum anderen muss man gestehen, dass die Japaner Qualitätsfanatiker und die erworbenen Lebensmittel i.Allg. wirklicht gut, frisch und schmackhaft sind (Tomaten schmecken auch wie selbige). Auch nicht von der Hand zu weisen ist, dass ich als Europäer andere Produkte kaufe (z.B. verbrauche ich erheblich mehr Milch und Käse) - einen Haufen importierter Exotika eben ...

Mit der Zeit lernt man aber mit der Situation umzugehen, und wenn ich meinen Einkaufszettel von heute mit dem zu Beginn vergleiche, hat sich die Situation dramatisch verbessert! Irgendwann kennt man einfach den günstigen Gemüsehändler um die Ecke, und weiß, wo die 100 Yen Shops mit den preiswerten Lebensmitteln sind.

Spektakulär günstig ist hingegen die mittägliche Verpflegung. Und gut dazu! Während der Arbeitswoche ist der Tisch in der Regel für etwas weniger als 1000 Yen also knapp 7 EUR reichlich und schmackhaft gedeckt.

Viel Spaß beim Studium der Liste:

  • 945 / 6,75 - Käse: Tolko Pfefferring
  • 410 / 2,92 - Zanetti Mozarella (Sonderangebot!)
  • 160 / 1,14 - 1L Orangensaft 100%, frisch
  • 230 / 1,64 - Ritter Sport, Dunkle Nuss
  • 371 / 2,64 - Brokkoli
  • 276 / 1,97 - 3 kl. Auberginen
  • 266 / 1,90 - 1 kl. Paprika (sic! Wirklich nur eine kleine Schote!)
  • 333 / 2,38 - 1 halbe Staudensellerie
  • 171 / 1,22 - Bio Avocado
  • 150 / 1,07 - 1 kl. Zuchino
  • 168 / 1,20 - 1L fr. Vollmilch
  • 373 / 2,66 - 200g Butter (ungesalzen)
  • 600 / 4,28 - 1kg Früchtemüsli
  • 460 / 3,29 - 1 Laib Brot
  • 400 / 2,86 - 4 Äpfel
  • 100 / 0,71 - 1 Kiwi
  • 200 / 1,43 - 4 Tomaten
  • 200 / 1,43 - 1 Eisbergsalat
  • 100 / 0,71 - 1 gr. Zwiebel
  • 100 / 0,71 - 6 kl. Bananen
  • 140 / 1,00 - 6 Eier (M)
  • 350 / 2,50 - 1 Schale Erdbeeren
  • 150 / 1,07 - 1 Breze
  • 1575 / 11,25 - Reiningung, 6 Hemden

2006-04-09

Hanami

Fühling!

Endlich geht der Winter, die morgendlich Kälte auf dem Arbeitsweg ist nicht mehr ganz so garstig und man kann den Mantel im Schrank und getrost sich selbst überlassen - die Anzugjacke reicht.

Frühling, die Zeit der Kirschblüte (Sakura)! Ein epochales Ereignis im Bewusstsein der Japaner, die ohnehin ein Faible für den Wechsel der Jahreszeiten. So epochal, dass Hanami - das Kirschblütenschauen - ein wichtiges Wort ist. Ein Wort, das im Büro häufig die Runde macht; ein Thema, das von Schreibtich zu Schreibtisch, am Kaffeeautomaten oder zum Lunch anregend diskutiert wird: Wo ist es am tollsten? Was macht man am Wochenende? Wie gestaltet man Hanami optimal? Pläne werden geschmiedet, Frontverläufe militärisch präzise fixiert (wo ist gerade der Höhepunkt der Blüte?), Durchschnittsgeschwindigkeiten erörtert (die Front schreitet mit ca. 20 km/h voran). Und alles im Bewusstsein des Flüchtigen, dass alles bald vorbei sein könnte; dass ein Sturm oder ein Platzregen genügt, die Pracht zum verstummen zu bringen.

Kirschblütenbetrachten - das klingt nach Zartheit, Zerbrechlichkeit, Spaziergang am Frühlingsmorgen! Die Realität sieht eher so aus: Hanami heißt, sich mit Freunden oder Arbeitskollegen im Park unter einem Kirschbaum zu treffen und sich mit einem tiefen Schluck aus der Pulle so richtig die Kante zu geben. Einer meiner Arbeitskollegen schwört sogar darauf, dass sich das optimale Hanamifeeling nur dann einstellt, wenn man den Tag krankfeiert, um sich mit guten Freunden bei herrlichem Sonneschein im Schnaps zu ertränken!

Unerlässliches Utensil hierzu ist die blaue Plastikplane, die, auf dem Boden ausgebreitet, dem Besäufnis als Heimstatt dient. Es wird dann entweder ein Kollege abgestellt, der die Plane stundenlang bis zur Ankunft aller bewacht, oder die Plane wartet einfach selbst. In Japan würde einfach niemand auf die Idee kommen, die Matte wegzunehmen oder durch seine eigene zu ersetzen. Des Wochenends wird Hanami dann mit der Familie, auch im Park auf der Plane, gefeiert. Hier kann dann der Japaner seine Fähigkeiten als Profipicknicker voll ausspielen. Jeder Kirschbaum, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird mit Beschlag belegt. Mit Kind und Großeltern genießt man dann die Mitbringsel und vertreibt sich die Zeit damit, mit den Kindern zu spielen.

Im Innenstadtbereich von Tokio ist Asakusa als Hanami-Areal sehr beliebt. Zu beiden Seiten des Flusses stehen an die 1000 prächtig blühende Bäume und die Stimmung assoziiert man eher mit einem Volksfest denn mit Zartheit und Morgenröte. Zahlreiche Boote kreuzen flussauf und -ab und können für Essen und Feiern gebucht werden. Unter den Bäumen kampieren dann die sakeglasschwingenden und kreuzfidelen Tokyoter. (Mehr Bilder findet Ihr hier.)


This page is powered by Blogger. Isn't yours?