2007-08-15
花火 (Hanabi)
Sommerzeit - Feuerwerkszeit!
Vergangenes Jahr habe ich leider nicht zuviel davon mitbekommen, da ich kurzfristig für zweieinhalb Wochen weg musste - leider zur Feuerwerkshauptsaison. Selbige finden hier überwiegend im hochsommerlichen August statt, also während der Schulferien und wenn die Leute sich ein wenig mehr Zeit nehmen.
Der sommerliche Termin erinnert ein wenig an die Feuerwerke, die in Deutschland im Rahmen von Sommerfesten oder zu Abschluss der Krichweih durchgeführt werden. Allerdings mit einem klitzekleinen Unterschied: Während bei uns ein Feuerwerk nach spätestens 15 Minuten abgehakt ist , zieht sich so eine Aktion hier über ein bis zwei Stunden hin.
Alles ist natürlich wohlorganisiert. Die Menschen strömen in Massen zu den Veranstaltungen und häufig sogar klassischer Tracht. Besonders kleine Mädels nutzen diese Gelegenheit gerne, um sich in Yukata zu präsentieren.
Natürlich kann man sich auf Wetsites umfassend vorher informieren, wann, wie und wo was stattfindet. Wobei selbstverständlich auch peinlich genau gelistet steht, wie viele Raketen abgeschossen werden. Das große Feuerwerk in der Tokyoter Bucht, bei dem ich obiges Bild vom Dach meines Wohnhauses geschossen habe (da ungesichert raufzuklettern ist vermutlich hochgradig illegal!) jagt ca. 12 000 Geschosse hoch.
Hier wieder der Link zu ein paar Bildern auf Flickr.com. Für Donnerstag ist wieder eins angestzt,- diesmal noch ein wenig näher an meinem Haus. Ich hoffe, ich kann noch ein paar Bilder hinzufügen! ;-)
2007-08-05
Enoshima
In meinem aktuellen Projekt geht der Wahnsimm langsam dem Ende zu, die schlimmste Phase ist überstanden. Mit ein wenig Glück, ist in 10 Tagen Schluss! Nach den kannp 220h Stunden im Juli, versuche ich, wieder ein wenig Normalität in mein Leben zu bekommen und sowas wie ein Privatleben zu führen. Unter anderem bemühe ich mich darum, meine noble, ebenmäßige Büroblässe der erbarmungslosen Sommersonne einauszusetzen.
Und wirklich - es gibt kaum etwas erfrischenderes als einen Trip raus aus Tokyo in die Vororte oder an die Küste. Dieses Wochenende wollte ich es eigentlich mit Kitesurfing versuchen, bin aber leider am Mangel an Schulen gescheitert - eine andere Geschichte...
Abfallprodukt ist mein Besuch in Enoshima (江ノ島). Das liegt ca. 2 S-Bahnstunden südwestlich von Tokyo, direkt neben Kamakura, was ich das letzte mal 2005 besuchte. Diesmal wollte ich aber nicht den großen Buddah sehen, sondern Strand und Meer hatten es mir angetan! Also ab in die Bimmelbahn und auf nach Enoshima.
Die Stadt selbst bezeichnet sich selbst als das Miami Beach Asiens... OK, voll ist es (aber voll ist so ziemlich alles in Japan). An der Weißheit des Strandes müssen sie aber noch ziemlich arbeiten und auch von Brandung habe ich auch nicht viel bemerkt. Dabei hatte ich mir davon mehr versprochen, weil der Ort angeblich von vielen Surfern frequentiert wird.
Endgültig abegeturnt haben mich aber der J-Pop Krach aus diversen Lautsprechern, die vielen Ansagen und - vor allen Dingen - die drei ständig über dem Strand kreisenden Helikopter der Rettungswacht. Natürlich trägt das zur Sicherheit bei, aber ich fühlte mich eher in einen Kriegsfilm versetzt.
So habe ich mich dann ehen auf die vorgelagerte Insel konzentriert. Mit ihrem Tempelberg, der (übertrieben teuren Grotte) und den netten Grünalagen, war es eine willkommene Abwechslung von Tokyo. Und durch die vielen Stufen wurde dem Autoverkehr auch weitgehend Einhalt geboten. Schlussendlich konnte man ab und zu sogar etwas erleben, was in Tokyo selten und kostbar ist: Stille!
Falls Ihr Lust auf Bildergucken habt, hier wieder mein Link zu Flickr.com.
Haarige Sache
Wie wir alle wissen, sind Asiaten (bis auf wenige Ausnahmen) durch die Bank schwarzhaarig. Männlein wie Weiblein - braune Augen und scharze Haaren. So kennen wir das, so erwarten wir das, weil wir das so Tag für Tag in der (deutschen) Fußgängerzone sehen.
Die japanische Realität sieht anders aus. Eigentlich ist es hier eher so, dass wirklich tiefschwarzes Haar die Ausnahme ist. Die typische Japanerin ist - derzeit - kastanienbraun. Im großen Ganzen hat man also nur die eine uniforme Farbe durch die andere ersetzt.
PS: In der letzten Zeit habe ich aber vermehrt platinblonde Exemplare gesichtet!
2007-07-01
Edo Tokyo Museum
Die schwüle Wärme dieser Regenzeit macht mir dieses Jahr ziemlich zu schaffen, und irgendwie kommt es mir erheblich schlimmer vor als im Vorjahr. Schlapp, müde, Kopfschmerzen - so lässt sich die Lage subsummieren.
Also muss man sich tunlichst Freizeitaktivitäten suchen, die möglichste wenig körperlichen Einsatz und möglichst viel klimatisierte Räume involvieren: Kino, Zeitunglesen im Starbucks, Musem.
Heute habe ich mich für "Museum" entschieden. Auf irgendwas exaltiertes hatte ich keinen Appetit. Es sollte was einfaches, übersichtliches sein und dennoch ein wenig Lokalkolorit vermitteln. Also habe ich mich für das Edo-Tokyo Museum entschieden.
Am besten beschreiben lässt sich das wohl als ein Museum der Tokyoter Stadtgeschichte beschreiben. Die diversen Schautafeln und Nachbauten beginnen in der Gründungszeit, als Tokyo noch "Edo" hieß und Sitz der Japanischen Shogune war. Und es endet in der Nachkriegszeit und mit dem wirtschaftlichen Boom Japans.
Nun gut - es ist wirklich nicht wahnsinnig spannend. Aber die Landkarten, die aus den verschiedenen Epochen gezeigt werden haben doch einen gewissen Reiz. Als in Tokyo schon hundertausende lebten, waren Paris und London verglichen damit noch Dörfer. Aber immer noch nichts im Hinblick auf die Entwicklung in der Meiji-Zeit und danach. Mein Stadteil (Ebisu) war Ackerland - jetzt ist es im Zentralbereich. Die vielen Kanäle und Wasserstraßen - Lebensadern der Stadt: Heute unsichtbar, zugeschüttet und zu Straßen konvertiert.
Bis vor einiger Zeit gab es von Yahoo Japan eine Website, in der man im Browser Kartenausschnitte von Edo und Tokyo unmittelbar vergleichen konnte, aber der Service wurde vor einiger Zeit eingestellt. Leider
2007-06-17
Shanghai
Gerne hätte ich geschrieben "Shanghai im Mai" aber es war leider Juni.
Angesichts überbordender Urlaubsrestbestände musste dringend und kurzfristig eine Lösung herbeigeführt werden. Außerdem ging mir mein Job extrem auf den Keks und ich wollte eine kleinen Reset herbeiführen.
Nichts leichter als dass, liegen doch diverse unbekannte asiatische STädte in Flugweite! Und da ich noch einige Tage Restvisum für China vorweisen konnte, habe ich mich holterdiepolter für Shanghai entschiden.Nur knapp zweieinhalb Flugstunden entfernt haben sich die Ticketpreise gehörig gewaschen (schließlich sind wir ja in Japan). Für einen Flug, der im hart umkäpften europäschen Markt wahrscheinlich für 200EUR zu haben wäre, schlug man mir ohne mit der Wimper zu zucken, den schnuckeligen Preis von 1200EUR vor. Glücklicherweise hatte ich noch die eine oder andere Bonusmeile auf der hohen Kante, so dass ich es mit 150EUR für Steuern und Flughafengebühren bewenden lassen konnte.
Natürlich war es mir ein dringendes Anliegen, einen deutschen Exportschlager aus nächster Nähe zu bewundern. Schließlich will man wissen, wofür seit 30 Jahren Steuergelder verschleudert werden. Ja, doch. Fährt sich recht flott, der Transrapid. Auch wenn er bei meiner nächtlichen Ankuft auf nur ca. 200km/h limitiert war. (Bei der Rückfahrt wurde tagsüber wurde dann voll aufgedreht: 450 km/h). Im Wesentlichen tut er aber das selbe wie jeder S-Bahnzubringer. Etwas flotter allerdings.
Quartier habe ich dann im Hotel Yangtze gemacht, direkt am Platz des Volkes. Für Touris eigentlich eine prima Stelle: Kreuzungspunkt zweier U-Bahnen, Fußgängerzone um die Ecke, reichlich Shoppinggelegenheiten, der Bund und French Concession in Laufnähe.
Mein Gesamteindruck?
- Die Luftqualität war erheblich besser als neulich in Beijing. Das mag zum einen an der Nähe zur See liegen, könnte seine Ursache aber auch darin haben, dass die Heizperiode vorbei war. Andererseits hatte ich aber - angefacht durch die Bauwut - immens viel Staub erwartet. Dem war aber nicht so
- Die Preise sind atemberaubend! Starbucks ist teurer als in Tokyo. Und Jean kann man in München billiger erstehen als in der Shanghaier Fußgängerzone. Mir ist völlig schleierhaft, wie die Leute das dort schaffen sollen. Vermutlich muss man aber nur ein wenig suchen, um die Shoppingparadiese zu finden.
- Als Mann alleine unterwegs zu sein ist extrem nervtötend. Tagsüber wollte man mir permanent Anzüge, Hemden, Krawatten, Armbanduhren etc. andrehen. Beim nächtlichen Gang durch die Fußgängerzone wollte man es dann mit "Massagen" versuchen. Sehr appart.
- Sightseeing im klassischen Sinne geht hier eher nicht. Das ist nicht die Stadt der Tempel, Statuen, Museen. Klar, gibt es auch. Aber hier sollte man eher Zeit haben, um am Bund spazieren zu gehen, durch die French Concession zu schlendern. Ganz einfach mal irgendwo lang latschen. Zu sehen gibt es jedenfalls genug.
Zwar steht da noch viel Arbeit bevor aber alles in allem hat mich Shanghai stark an Hong Kong erinnert. Auch wenn es noch nicht so wohlhabend, bunt, farbenprächtig ist. Auf jeden Fall machte es auf mich einen erheblich lebendigeren Eindruck als Beijing.
Und hier wieder der obligatorische Link zu den Bildern auf Flickr.com (seit jüngster Zeit gibt es ja auch eine deutsche Version).
2007-05-28
BBQ
Der Frühling fast vorbei, die Alemannia abgestiegen (sie tanzten nur einen Sommer), und der letzte Heimaturlaub liegt auch schon wieder unendliche drei Wochen zurück. Was bleibt einem da noch anderes übrig als Trübsal zu blasen und auf die kommende Regenzeit zu warten (ab kommende Woche in diesem Theater!).
Beste Gelegenheit, Trübsal zu blasen? Nein!
Ich habe mich einem aufwändigen Forschungsprojekt aus dem Bereich der vergleichenden Gender-Studies verschrieben. In akribischer Feldforschung konnte ich belegen, dass das sogenannte "Grillgen" auf dem Y-Chromosom zu verorten ist. Auch bei den Japanern!
Wie sonst könnte man es erklären, dass der männliche Homo Sapiens Japonensis, dessen bestürzende Küchenabneigung nur noch von wenigen Kollegen angezweifelt wird, bereits bei geringsten und kaum messbaren Anzeichen von Grillkohle in heftige Unruhe verfällt und das Auge nach Grillgut über die Gemarkung schweifen lässt (siehe auch "Appetenzverhalten") .
Wird selbiges bei gutem Wetter gesichtet verfällt er in hektische Aktivitäten, pustet, wedelt, fächert und lässt bei letzlichem Erreichen der nötigen Schwärze des Grillguts seine bekannten markerschütternden Kampfschrei fahren (siehe auch "Kiai").
Wohl bekomm's, auf Flickr.com.
2007-04-08
Hanami
Und da war sie wieder: Kirschblütenzeit!
Wobei - eigentlich ist sie schon wieder vorbei. Für zwei Wochen verwandelt sich Tokio, zeigt seine herrliche Blütenpracht und die Leute leben in einem totalen Ausnahmezustand. So langsam ist aber nur noch wenig zu sehen, die Blüten nach und nach abgefallen und durch ein erstes zartes Grün abgelöst. Auch nicht schlecht.
Dieses mal war es ein Krischbaum im Yasukiuni-Schrein in Tokio, der die allerersten Krischblüten auf dem Japanischen Festland trug. Das Tokio zuerst fällig war, ist bisher wohl erst einige wenige vorgekommen. Das erstaunt vor allen Dingen wenn man bedenkt, das wir Ende März in Tokio einen kleine Kälteeinbruch mit Schnee in einigen Gegenden vermelden mussten!
Aber egal. Groß wurde geplant, mit wem man an welchem Tag des kostbaren Wochenendes in welchen Park geht. Das erste Wochenende war noch eine kleine Enttäuschung - deutlich waren noch die Nachwirkungen der Kälteperiode zu spüren. Doch am zweiten, dem Hauptwochenende, wurden wir von Petri Hand mit Sonne und Wärme verwöhnt,
Irgenwie hat man ja als Europäer eine recht naive Vorstellung von Krischblüten und Hanami (=Blütenbetrachten): Demnach lustwandeln ein paar JapanerInnen in ihren Kimonos und Holzpantoffeln in andächtiger Stille durch hübsche Parks. Das ganze wird allerhöchstens durchbrochen von ein paar andächtigen "Aaaaah" und "Ooooh". Fakt ist aber eher: "Und so zogen denn die himmlischen Heerscharen aus in die Parks, und es ward ein großes Frohlocken und Jauchzen." Ersteres wird typischerweise durch die Zuhilfenahme größerer Mengen von Alkoholika, letzters durch portable Karaokamaschinen erreicht.
Letztes Jahr war ich ja noch eher der außenstehende Beobachter. Aber heuer war ich denn mitten drin. Und da ich mich mit einigen Profi-Hanamigehern (aka. Japaner) zusammengetan hatte, haben wir uns für den Shinjuku-Gyoen entschieden. Der ist nicht nur hübsch sonder hat auch den Vorteil, dass man Eintritt zahlen und sich recht rigiden Regeln unterwerfen muss: Kein Alkohol, keine Musikinstrumente oder Radios, geöffnet nur von 10~16:30h.
So konnten wir uns zwar nicht an Hanami bei Nacht erfreuen aber wenigstens hielten sich der Krach und die Besoffenen in Grenzen. Die himmlischen Heerscharen allerdings, die kamen. Ca. 30Min haben wir für die Karten angestanden.
Macht nix. Schön war's. Hier wieder der Link zu den Flickr.com Bildern. Viel Spaß!
2007-03-17
Ski Japan: Teil 2: Boarding in Niseko
Willkommen in Australiens nördlichster Kolonie!
Australier durfte ich 2002 ja zur Genüge kennenlernen: Zumeist nette Leute, gastfreundlich und mit sich im Reinen. Vielleicht sogar - für den europäischen Geschmack - ein wenig zu entspannt aber ok. Nerven konnte höchstens ab und an ihr Verhältnis zu Bier und Alkoholika im Allgemeinen. Auch wenn sie mittlerweile in Down Under doch gut durchmischt sind, so offenbaren sich an dieser Stelle doch ihre starken britischen Wurzeln.
Ein wenig nerviger sind sie allerdings im Urlaub und in Horden in selbigen.
Zugegebenermaßen habe ich mich als europäischer Durchschnittsdepp noch immer nicht damit abgefunden, dass unser Winter deren Sommer ist. Und wenn die halt nach Japan in den Sommerurlaub fliegen ist damit eigentlich ein zünftiger Ski- oder Snowboardurlaub gemeint. Am ehesten lässt es sich vielleicht umschreiben als "mallemäßig Apres Ski".
Während ich im langen und irre schneereichen japanischen Winter des Vorjahres einen skitechnischen Totalausfall konstatieren musste, da sich mein Equipment zu diesem Zeitpunkt seinen Weg noch per Seefracht durch den Suezkanal bahnte, so bin ich diesen Winter so rege wie schon lange nicht mehr. Neben den Gala-Exkursen (wir berichteten) habe ich nun Kurtzentschlossen meinem Chef und dem Projekt zwei Tage aus dem Kreuz geleiert und die Gelegenheit zu einem langen Skiwochenende genutzt.
Dank eines zusätzlichen Feiertages war die Gelegenheit günstig und mein Ziel das sagenumtoste Niseko auf Hokkaido. Die Google-Karte gibt hoffentlich eine kleine Lageorientierung.
Der Kurztrip erfordert ein wenig Sitzfleisch. Zwar ist der Flug von Tokios Haneda-Flughafen nach Sapporo / Chitose in knapp 90 Minuten erledigt, allerdings verbringt man anschließend noch schnuckelige zwei Stunden im Bus. Selbstverständlich kann man alles mit Flug, Ticket, Hotel, Liftpass als Paket buchen, was sich in Japan eigentlich ohnehin stets empfiehlt. Allerdings nur unter der Voruassetzung, dass man lesen kann oder zumindest im Reisebüro ein Kommunikationsniveau jenseits von "Wieviel Uhr ist es?" und "Sprechen Sie vielleicht Englisch?" erklommen hat. Anderfalls schlägt - mal wieder - der berühmte Gaijin-Bonus zu... Als kleine Orientierung mag dienen, dass eine indigene Bürokollegin für eine vergleichbare Aktion nur knapp ein Drittel berappen muss.
Aber, kommen wir zum eigentlichen Thema: Endgeiler Pulverschnee!
Auch wenn Hokkaido primär für seine landwirtschaftlichen Produkte und insbesondere seine Milch(über)produktion bekannt sein dürfte, so ist es touristisch doch nicht uninteressant. Anders als Tokio hat man hier einen richtigen Winter und eine richtigen Sommer, die beide eher mit den europäschen Pendants verglichen werden können: Der Sommer ist bei weitem nicht so feucht wie in Tokio. Daher war eigentlich Niseko (bzw. Hokkaido) bisher vielfach Sommerreiseziel für dahinschmelzende Tokioter.
Und dann, vor einigen Jahren, kamen die Australier. Sie sind es, die den herausragenden Pulverschnee in Niseko entdeckt und erobert haben. In wenigen Jahren sind in dem verschlafenen Ort die Skiverleihe, Shops, Hotels, Restaurants, Luxusapparments wie Pilze aus dem Boden geschossen. Niseko wird von Australiern regelrecht kolonialisiert, fast alles läuft zweisprachig, Boden wird von Australischen Hotelgesellschaften im großen Stil aufgekauft und die Region boomt touristisch bis zum Platzen!
Die Schattenseite ist, dass sich Japaner anfangen als Fremde im eigenen Land zu fühlen und nicht wenige fürchten die Überfremdung. Alteingesessene haben Sorgen, dass im Winter der Ort brummt während sie im Sommer durch einen Geisterstadt wandeln. Andererseits gibt es aber auch etliche Japaner, die das als Umkehrbewegung zu den 80er und 90er Jahren verstehen. Damals haben wohlhabende Japaner die australische Gold Coase zu horrenden Preisen aufgekauft haben, so dass sich der gemeine Ozzies aus dem eigenen Land vertrieben fühlte. Außerdem ist sollte man erwähnen, dass der japanische Skitourismus tendenziell rückläufig ist und ohne die Aussies wäre hier vermutlich einfach tote Hose (aka "strukturschwache Region").
Aber, wir wollen nicht abweichen: Der Schnee ist wirklich sagenhaft! Ende März und immer noch 3m hoch, weich, nachts fällt noch immer reichlich Neuschnee, Eisplatten scheinen ein Fremdwort und im Vergleich zu Europa sind die Pisten fast leer. Und das Ganze bei nur maximal 1300m Gipfelhöhe! Zu verdanken ist es, wieder mal, der sibirischen Kaltluft, die ihre Schneefracht in kleinen feinen Eiskristallen über den ersten Gipfeln Hokkaidos ablädt. Wer also ganz wild auf hüfthohen Tiefschnee ist, der sollte es unbedingt hier versuchen.
So in Szene gesetzt habe ich mir vorgenommen, mal was Neues auszuprobieren und mich von den Brettern, die die Welt bedeuten, auf das eine Brett geschwungen. Endlich war ich mal wieder in einem experimentierfreudigen Setting, ohne Hast konnte ich den Hügel runtereiern und musste keine Rücksicht auf ein wartende Meute unten am Fuße des Berges nehmen.
Meinem Lernfortschritt entgegen kamen
- mehrfach gebrochenen Arme vom jugendlichen Skateboardfahren
- präpubertäre Windsurferfahrungen
- fachkundige Erläuterungen durch einen Salzburger Snowboardinstrukteur (sic!)
Nichtsdestotrotz ist mir relativ schnell klar geworden, dass ich nur vermöge eines Helmes mein wichtigstes Betriebskapital meinem Projekt würde erhalten können. Entsprechnd habe ich mich eingedeckt und mich die folgenden Tage mit reichlich Wumms UND Helm auf die Fresse gelegt. Aber Spaß gemacht hat es auf jeden Fall. Nächste Saison gerne wieder!
Und hier wieder der obligate Link zu ein paar Bildchen auf Flickr.com. Die Qualität bitte ich zu entschuldigen - ich hatte aus nachvollziehbaren Gründen nur meine kleine Knipse dabei.
2007-03-12
Schlangestehen
Was ist das:
- Michael Jackson hat kurzfristig ein Konzert angesetzt und die Leute wollen Tickets kaufen.
- Historische Aufnahme: Leipzig, kurz vor einer Montagsdemo stellen sich die Leute vor dem Konsum an, weil sie gehört haben, dass es frischen Bohnenkaffee gibt.
- Hier gibt's was umsonst.
- Nichts trifft zu.
Richtig ist: 4
Ein schöner Moment, noch einmal inne zu halten, und sich darüber klar zu werden, dass man Japaner einfach nicht verstehen KANN!
Die Aufnahme habe ich vergangene Sonntagnacht, kurz nach einem Kinobesuch gegen 22h, bei ca. 5C gemacht. Drum herum war tote Hose, aber vor einigen Wochen hat diese neue Kette (Kripsy Kreme, Eingeweihten wahrscheinlich ein Name) einen Donut-Shop in Shinjuku aufgemacht. Und die Leute (70-80?) stehen sich allen Ernstes mehr als dreißig Minuten die Füße in den Bauch. Um ein paar Teigkringel käuflich zu erwerben!
Nein, die sind nicht umsonst! Ja, es gibt einen Haufen Ketten und Einzelgeschäfte, wo man vergleichbare Produkte erstehen kann. Nein, ich mag diese Dinger nicht besonders. Und, ja, ich verstehe sie - mal wieder - nicht...
2007-03-10
Ski Japan: Teil 1 - Gala
Wüsste ich nicht, dass "Convenience" eigentlich ein englisches Wort ist, wäre ich versucht anzunehmen, es sei ein japanisches!
Auch beim Thema Skifahren haben die Japaner besagte Convenience ganz tief verinnnerlicht und super umgesetzt. Vor ca. 20 Jahren war Skifahren ein ganz großes Ding. Angefeuert durch populäre Kinofilme wollten alle unbedingt auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Ausreichend Gebirge hat man ja und Schnee liegt auch reichlich - dazu noch in guter Qualität! Zu verdanken hat Japan das wohl der geographischen Lage, in der ausreichend feuchte Luft vom Pazifik zur Verfügung gestellt wird und auf die kalten Luft aus dem sibirischen Norden trifft. Über den Bergen Japans entlädt sich dann die Schneefracht. Erstaunlich ist dabei, dass der Schnee bereits auf geringen Höhenlagen fällt und auch liegen bleibt. In Österreich käme wohl niemand auf die Idee, auf nur 1100m einen Skilift bis in den März hinein zu betreiben!
Angetrieben durch den Skiboom, wollte man natürlich möglichst vielen Leuten einen einfachen und schnellen Zugang zu den Skipisten verschaffen. Und wie macht man das am besten? Man klotzt eine Shinkansen-Verbindung direkt von Tokyo-Hauptbahnhof nebst hochmodernem Multifunktionsbahnhof (mit Spa, Fressbuden, Skiverleih, etc.) in die Landschaft, nennt das ganze "GALA" und verbindet das mit einem Kombiticket Zug-Ski.
Das Resultat ist, dass man in 90 min die 190 km abspult und innerhalb von zwei Stunden am Lift stehen kann! Einen Überblick verschafft die Karte auf Google.com. Wenn man langsam rauszoomt kriegt man eine gute Idee für das Verhältnis Tokyo/GALA.
Natürlich gab es das Skirevier schon lägnere Zeit vorher. Besonders die Schweizer und Österreicher haben sich in Japan um die Entwicklung des Skisports verdient gemacht und viele Grundlagen gelegt. Nicht umsonst heißt Skipiste auch "Gelände". "Föhn" ist übrigens auch ein klassischer japanischer Bergbegriff ;-)
Kennengelernt habe ich das Revier bei der Abschiedsfahrt von Cordu und Jean-Phi, aber mittlerweile habe ich den Trip schon etliche male mit anderen Freunden absolviert und weiß die wochenendliche Entspannung zu schätzen, wie der Link zu den Flickr.com Bildern beweißt. (Sorry, die allermeisten sind nur Freunden und Familie zugänglich.)


